Naturerlebnisprojekte - gemeinsame Wege von Naturschutz und Region

Naturerleben hat sich in den letzten Jahren für viele Menschen zu einem Entscheidungsgrund für ihren Urlaubsort entwickelt. Gleichzeitig muss sich der Natur- und Artenschutz zunehmend um Akzeptanz der breiten Öffentlichkeit bemühen, um weiterhin anerkannt und auch finanziert zu werden. So wird es immer wichtiger, erfolgreiche Projekte attraktiv zu präsentieren und gleichzeitig durch ein geschicktes Besuchermanagement die Beeinträchtigungen für die Natur, die Pflanzen oder Tiere zu minimieren. Gleichzeitig bietet Naturerlebnis als Naturschutzmaßnahme den Vorteil steigender regionaler Verankerung, insbesondere wenn es gelingt, die Erwerbssituation der Bevölkerung vor Ort in den oftmals strukturschwachen Regionen zu verbessern.

Dafür gibt es viele Möglichkeiten. TourNatur verbindet hier das Know-How aus dem Natur- und Artenschutz mit der Kreativität und Erfahrung des begeisterten Naturerlebnis-Urlaubers.

Natur- und Landschaftserleben Fehnroute

Die Deutsche Fehnroute führt durch die ostfriesischen Moorgebiete. Sie kann mit dem Kanu, dem Fahrrad oder dem Auto erfahren werden. Die Moore weisen eine Vielzahl interessanter Natur- und Landschaftsaspekte auf, die nur hier erlebbar sind. Im Auftrag der NABU Kreisgruppe Leer und dem Büro Deutsche Fehnroute soll bis Ende 2006 ein Natur- und Landschaftserlebniskonzept für die Fehnroute entwickelt werden.
Das Projekt wird durch die finanzielle Unterstützung von EU Leader+, Bingo-Lotto und der Kreissparkasse Leer-Weener ermöglicht. Lesen Sie hier mehr.

Besucherlenkung Rheiderland

Für den Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Niedersachsen, erarbeitete Dr. Helmut Kruckenberg gemeinsam mit C. Kowallik ein Besucherlenkungskonzept für das Rheiderland (Landkreis Leer). Ziel war es, durch positive Naturerlebnisangebote entlang einer überregional bekannten Fahrradwanderroute naturinteressierte Menschen an Beobachtungspunkte zu lenken, an denen auch wirklich Naturerlebnis möglich ist. Im Gegenzug sollten dadurch ökologisch sensible Bereiche entlastet werden. Gemeinsam mit den Gemeinden, der Wirtschaftsförderung und der Naturschutzbehörde wurden die einzelnen Maßnahmen abgestimmt und teilweise in der Projektlaufzeit noch umgesetzt. Hinweise zu den Besuchereinrichtungen und mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter www.naturerlebnis-ostfriesland.de.

 

Frühstück bei den Wildgänsen

Als touristisches Zusatzangebot entwickelte H. Kruckenberg 1999 das "Frühstück mit den Wildgänsen". Die Idee basierte auf einer Aktion die Wildfowl & Wetlands Trust (WWT) in England, der "breakfast with birds" in seinen Besucherzentren anbietet. An einer geeigneten Stelle am Südufer des Dollart (NW Niedersachsen) wird seitdem in jedem Winter zwischen Anfang Januar und Mitte Februar diese Aktion angeboten. Während die Besucher mit Tee, Kaffee und Brötchen verwöhnt werden, können sie den morgendlichen Einflug der Wildgänse beobachten. Diese haben die Nacht auf den Wattflächen des Dollart verbracht und fliegen über Tage zu ihren Nahrungsflächen im Binnenland. Ende Januar fliegen so mehr als 100.000 Wildgänse über die Köpfe der Besucher hinweg.

Serengeti hinterm Deich

Wilde und große Tiere versetzen Menschen immer wieder ins Staunen. Vor nicht ganz 300 Jahren wurden in Europa die letzten freilebenden Wildpferde und Auerochsen ausgerottet. Doch als Landschaftspfleger von Naturschutzflächen kommen ihre Nachkommen heute zurück und bringen Vielfalt in die Landschaft. Für Besucher ist dies zudem ein besonderes Erlebnis. Hier lassen sich Pferde und Rinder in natürlich gewachsenen sozialen Gruppen beobachten. Nur hier dürfen sie ihr gesamten Verhaltensrepertoire ausleben und erweisen sich als wahrhaft spannende Beobachtungsobjekte. Gleichzeitig können viele seltene Vögel wieder Lebensstätten inmitten der Agrarlandschaft finden, wo sie vorher verschwunden waren.
Im Rahmen eines Leader+ Projektes für den NABU Ostfriesland wurde auf 82ha ein Wiesenvogelschutz- und Naturerlebnisprojekt der besonderen Art geschaffen.

Naturkundliche Kutterfahrten

Vom Boot lassen sich die Vögel am Ufer hervorragend beobachten

Die traditionellen Fischerboote werden in Ostfriesland Kutter genannt. Sie sind speziell für die Fahrten im Wattenmeer gebaut und mit ihnen werden bis heute die Nordseegarnelen ("Granat") gefangen. Bereits 1999 begannen wir mit dem historischen Kutter "Heike" vom Ditzumer Hafen aus Fahrten auf Ems und Dollart anzubieten. Während in den Osterferien die Ems Gelegenheit für wunderbare Naturerlebnisse von Kampfläufer bis Graugansküken bietet, wird in den Sommermonaten die Unterwasserwelt des Dollart erforscht. Mit dem traditionellen Schleppnetz geht Kapitän Wilfried Voß auf Fang und stellt später im Aquarium Fischarten, Granat und Krabben vor. Dabei kommen erstaunliche Tiere zu Tage: beispielsweise Aalmutter oder Butt.